Im Interview mit JP.de: Marco Sfogli - Teil 2

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Johnnie
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Im Interview mit JP.de: Marco Sfogli - Teil 2

Beitrag von Johnnie »

"Meinen Ohren vertraue ich mehr als allem anderen"

Als Gitarristenforum darf eine ausgiebige Unterhaltung zu Technik und Spiel nicht fehlen. Im zweiten Teil unseres Interviews verrät Marco die Details und die Entstehung seines neuen Signature-Geräts, sein Amp-Setup und wie er an Spieltechnik herangeht.
Außerdem haben wir ihn natürlich auch nach seinen persönlichen Zielen und Erwartungen gefragt, wenn es um seine Arbeit als Musiker geht. Viel Spaß!


JP.de: Auf „Elements of Persuasion“ hast du noch ausschließlich MM John Petrucci-Gitarren gespielt. Mittlerweile bis du mit deiner eigenen Signature-Serie bei der italienischen Rash Guitars vertreten. Kannst du uns die Unterschiede erklären und weshalb du dich dann für Rash entschieden hast? Was sind für dich die wichtigsten Specs deiner Signature-Gitarre?

Marco: Zunächst einmal entstehen sie alle in Handarbeit, das macht schon einen großen Unterschied. Es ist nur ein Typ bei Rash, Ruggero, der diese wunderbaren Gitarren baut, vom Entwurf bis zur Lackierung. Sie klingen so gut wie sie aussehen, wir haben sehr hart daran gearbeitet das Signature-Modell genau so hinzubekommen wie ich es wollte. Dazu kann er im Grunde jede Kleinigkeit speziell für dich anfertigen, so zum Beispiel besondere Hölzer für Hals und Korpus. Ich bin wirklich sehr glücklich damit. Für das neue LaBrie-Album habe ich auch die DiMarzio-Pickups gewechselt, von der Kombination D-Sonic/Air Norton auf D-Activator Pickups, sowohl für die 6-saitige als auch für die 7-Saiter-Modelle. Alle im Studio waren wie weggeblasen von der Klangtiefe!

JP.de: Worauf legst du Wert bei deiner Gitarre – Ton, Spielbarkeit, Power, Design? Spielst du noch andere Modelle als deine Signature?

Marco: Hauptsächlich der Klang – UND Vielseitigkeit natürlich. Als wir das Signature-Modell entworfen haben, wollte ich unbedingt eine Gitarre, die für jede Situation meines Spiels geeignet ist – und ich muss sagen, wir haben das perfekt hinbekommen. Deshalb spiele ich sonst keine andere Gitarre außer einer Taylor für die Akustikteile.

JP.de: Was Verstärker angeht, hast du für viele deiner Arbeiten Mesa Boogie benutzt. Was ist dein aktuelles Studio-Setup? Hast du unterschiedliche Setups für das LaBrie-Album verwendet?

Marco: Ich benutze auch weiterhin Mesa-Verstärker, besonders den Lonestar und den Studio Preamp, entweder zusammen mit einem Simul Class 2:90 oder direkt, indem ich Impulse Responses verwende. Es wird eine Menge Mesa-Sound zu hören sein auf dem neuen LaBrie-Album, wir haben mit verschiedenen Sounds experimentiert, verschiedene Top-Teile und Boxen. Das Studio war vollgepackt wie ein Süßigkeitenladen! Und natürlich wirst du den Fractal Audio Axe FX auch hören.

JP.de: Wir haben einige Youtube-Clips von dir gefunden, in denen du mit dem Axe FX Ultra von Fractal Audio spielst. Wann verwendest du ihn und was gefällt dir am Axe? Verwendest du ihn direkt mit der PA?

Marco: Der Axe FX hat mein Leben komplett verändert! Die Tatsache, ein Rack mit zwei Units zu haben mit allen möglichen Sounds ist fast schon unwirklich, finde ich. Ich benutze es jeden Tag für alle meine Arbeit, es ist definitiv die beste Anschaffung meines Lebens. Und direkt in die PA funktioniert für mich wunderbar!

JP.de: Hast du einen bestimmten Stil in deiner Spieltechnik, den du immer benutzt, oder passt du dich verschiedenen Bands und Musikern an?

Marco: Mir ist es eigentlich wichtiger, einen Part interessant zu machen, als die eine oder andere bestimmte Technik zu verwenden – wobei Technik natürlich danach kommt. Ich kann nicht verhehlen, dass ich eher der Typ für Alternate Picking bin als ein verrückter Sweep-Picker oder eine Mischung daraus. Aber ehrlich: Ich bevorzuge es mit dem Song fest im Hinterkopf an die Sache zu gehen. Für mich geht es immer um die Melodie.

JP.de: Worauf konzentrierst du dich beim Üben? Hast du bestimmte Lieblingspatterns?

Marco: Nicht wirklich. Ich übe eigentlich wenn ich Unterricht gebe, da das viel Zeit in der Woche konsumiert. Die Patterns sind also eher auf die Studenten und ihre Bedürfnisse abgestimmt. Als ich mein Spiel entwickelt und feingeschliffen habe, spielte ich gewöhnlich parallel zu meinen Alben und versuchte eher, das Feeling und die kleinen besonderen Nuancen meiner Helden zu kopieren, als Skalen und Arpeggios zu üben. Außerdem, und das ist etwas was ich nie genug betonen kann: Ich vertraue mehr auf meine Ohren als irgendetwas anderes! Damals gab es Tabs als „Offizielle Begleitbücher“, sehr teuer und in den meisten Fällen falsch transkribiert. So waren meine Ohren essentiell, um die Musik umzusetzen.

JP.de: Hast du deine persönlichen Ziele bisher verwirklicht? Was ist für dich wichtig für die Zukunft?

Marco: Ich kann mich schon sehr glücklich schätzen. Ich hatte die Möglichkeit mit vielen großen Namen zu spielen und von ihnen zu lernen. Persönlich würde ich mich gern mehr im Songwriting-Bereich verbessern – bessere Songs und Melodien schreiben. Das ist mein echtes Ziel.

JP.de: Wie wichtig ist Familie und Zuhause für dich?

Marco: Sehr wichtig! Ich bin jetzt stolzer Vater und vermisse meine Familie von dem Moment an, wo ich aus der Tür gehe. Aber weißt du, das ist eben Teil des Deals, wenn du diesen Job machst. Jedem geht das so, ich habe noch nie jemanden getroffen, der glücklich darüber war, auf Tour zu gehen und seine Familie für viele Wochen zu verlassen. Ich versuche nur, so viel wie möglich mit ihnen in Verbindung zu bleiben, während ich unterwegs bin. Glücklicherweise wird die Technik immer hilfreicher, wenn du zum Beispiel an Skype denkst.

JP.de: Genießt du dann das Tourleben? Versuchst du in Kontakt zu bleiben mit Musikern, mit denen du gearbeitet hast? Hast du vielleicht „Lieblingskollegen“?

Marco: Ich liebe das Touren ebenso wie die Studioarbeit, zwei verschiedene Welten mit verschiedenen Erfahrungen. Mit ein paar von den Jungs, mit denen ich bisher gespielt habe, versuche ich auch in Kontakt zu bleiben, so wie zum Beispiel John Macaluso. Wir sind mittlerweile gute Freunde und arbeiten von Zeit zu Zeit miteinander. Ich habe für sein Album „The Radio Waves Goodbye“ die Gitarren eingespielt, und er hat mich gefragt, ob ich für eine Band namens „Creation’s End“, die er produziert, ein paar Soli aufnehmen würde. Das Album wird demnächst rauskommen.

JP.de: Verfolgst du Musikerforen und Fansites? Welche liest du regelmäßig?

Marco: Von Zeit zu Zeit schaue ich ins US-Petrucci-Forum rein, er hat ja wahrscheinlich mit die größte Fanbase, die ich je gesehen habe. Und dann ist da natürlich meine Website: www.marcosfogli.com Ich nehme mir immer persönlich Zeit, Fragen zu beantworten und es gibt einige regelmäßige Leser.

JP.de: Gibt es jemanden, mit dem du gerne in der Zukunft arbeiten möchtest?

Marco: Wow, das ist eine schwierige Frage… Es sind so viele Namen, ich könnte da nicht nur einen herausnehmen. Und so lange es gute Musik ist, arbeite ich eigentlich mit jedem gern zusammen!

JP.de: Was steht für den Rest 2010 auf dem Plan? Wird es eine Tour mit James LaBrie geben? Und wie steht es zum Beispiel mit Clinics?

Marco: Ich hoffe, dass es eine Tour im Herbst geben wird im Anschluss an die Veröffentlichung. Aber ich habe da noch keine Details bisher. Clinics mache ich immer mal wieder gern, denn das ist eine weitere Dimension an dieser Arbeit die ich wirklich liebe!

JP.de: Marco, vielen Dank für dieses Interview!
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Axel
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Beitrag von Axel »

Ich wusste gar nicht das Marco Papa geworden ist und das er nun auch das Fractal Audio Axe FX spielt wundert mich fast schon nicht mehr, scheint ja die Wunderwaffe des Jahrhunderts zu sein :wink:
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Mike
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Beitrag von Mike »

Sehr schönes Interview. Marco ist ein grandioser Gitarrist. Ich finde er vereint Melodie und Technik unheimlich angenehm, es kommt einem bei seinem Spiel nie so vor, als würde er einen Show-Off abziehen. Kann den neuen EOP kaum abwarten.

Mal eine Frage. Wurde das Interview auf Deutsch geführt? Normalerweise müsste Marco ja fließend deutsch sprechen.
Nico
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Beitrag von Nico »

Scheint wirklich ein sehr symphatischer Bursche zu sein und man merkt, dass er wirklich Spaß an der Musik hat und voll und ganz dahinter steht 8)

Nein, das Interview wurde so weit ich weiß nicht auf Deutsch gehalten. Aber da kann dir Johnnie sicher mehr darüber erzählen :wink: :)
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Johnnie
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Beitrag von Johnnie »

Mike hat geschrieben:Sehr schönes Interview. Marco ist ein grandioser Gitarrist. Ich finde er vereint Melodie und Technik unheimlich angenehm, es kommt einem bei seinem Spiel nie so vor, als würde er einen Show-Off abziehen. Kann den neuen EOP kaum abwarten.

Mal eine Frage. Wurde das Interview auf Deutsch geführt? Normalerweise müsste Marco ja fließend deutsch sprechen.
Besten Dank, ich finde auch daß sein Gefühl für Harmonie im Solospiel außergewöhnlich ist.
Das Interview haben wir in Englisch gehalten, er hat auch nicht angeboten, es auf Deutsch zu machen. Da er die meisten Gespräche in Englisch hält, wollte ich es ihm auch nicht unnötig schwer machen. Und mein Italienisch hält sich doch abseits des Lateins sehr in Grenzen... :wink:
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MusicFreak
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Beitrag von MusicFreak »

Auf Axel's Wunsch werde ich mich jetzt auch mal um mehr Feedback hier im Forum bemühen...........also ich bin auch sehr gespannt auf das neue JL Soloalbum, klingt aufallefälle sehr interessant. Tolles Interview!!
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guitarrero
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Beitrag von guitarrero »

MusicFreak hat geschrieben:Auf Axel's Wunsch werde ich mich jetzt auch mal um mehr Feedback hier im Forum bemühen...........also ich bin auch sehr gespannt auf das neue JL Soloalbum, klingt aufallefälle sehr interessant. Tolles Interview!!
Genau auf solche Beiträge hab ich mich soeben bezogen. Bevor halt nix passiert, schrieben Leute dann etwas unmotivierte und im Prinzip inhaltsleere Posts... "damit halt was passiert". Ehrentwert MusicFreak, aber das Kernproblem bleibt halt...

Dennoch freu auch ich mich aufs Album und hoffe auf eine kleine Tour durch unsere Lande, damit ich Mr Sfogli vielleicht auch mal live erleben darf. :)
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