Steven Wilson

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Simply Joe
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Steven Wilson

Beitrag von Simply Joe » 07.04.2019, 15:46

Gleich vorweg: auch ich halte Steven Wilson für einen großen Künstler. Seine Universalbegabung ist wirklich außergewöhnlich. Solo gefällt er mir fast noch besser als früher mit Porcupine Tree. Bis auf To The Bone mag ich eigentlich so gut wie alles von ihm.

Bei The Raven that Refused To Sing musste ich allerdings schon ein bisschen schmunzeln; zumal es sich hier um genau die Art von rückwärtsgewandter Musik handelt, die er früher bei Kollegen immer kritisiert hatte. Ich kann mich noch genau an Aussagen von ihm von vor etwa 15 Jahren erinnern: damals nannte er namentlich die Flower Kings und Transatlantic, die mit ihrem Retro-Sound mit ursächlich für das anhaltend schlechte Image des Progressive Rock in der Presse seien. Gleichzeitig lobte er Dream Theater als positives Beispiel für zeitgemäßen Prog Rock/Metal.

Hand.Cannot.Erase gefällt mir noch ein Stück besser. Zwar hat er auch hier das Rad nicht neu erfunden, aber das Album klingt im Vergleich doch etwas moderner. Auf musikalisch wie textlich überzeugende und emotional berührende Weise erzählt er hier eine tieftraurige Geschichte bis zu ihrem bitteren Ende. Ein absolutes Meisterwerk.

To The Bone ist demgegenüber ein Paradebeispiel dafür, dass gutes Handwerk und ein guter Sound noch lange keine gute Musik machen. Es fehlt schlicht an zündenden Ideen, an musikalischer Substanz. Und Wilsons Gesang, den ich sonst durchaus mag, erweist sich im Pop-Kontext dann doch als Schwachpunkt. Im Prog ist eine starke Stimme zwar willkommen, aber nicht so wichtig wie andere Aspekte - in der Pop-Musik ist sie unerlässlich.

Bei aller Wertschätzung: auch Wilson ist nur ein Mensch - selbst er kann nicht alles gleich gut und selbst er kann mal ein schwaches Album abliefern.

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